Mitten in der pulsierenden Millionenstadt Mailand, ganz in der Nähe des Zentralbahnhofs, liegt das Gemeindezentrum der deutschsprachigen Pfarrei St. Michael. Von aussen würde man gar nicht erkennen, dass im 8. Stockwerk eines Hochhauses der Sitz der Pfarrei mit einer Kapelle, einem Gemeindesaal, einem Pfarrbüro, einem Raum für Katechismus und der Wohnung des Pfarrers untergebracht ist.

Am 7. April 1963 wurde dieses Zentrum vom damaligen Mailänder Kardinal Montini, der im gleichen Jahr als Paul VI. zum Papst gewählt wurde, eingeweiht. Eine verkleinerte Kopie der "Madonnina" (so wird die Marienstatue auf der Spitze des Domes genannt) und ein echter Filigranstein des Domes hat Kardinal Montini bei der Eröffnung des Zentrums der deutschsprachigen Gemeinde zum Geschenk gemacht.

Die Betreuung der Katholiken deutscher Sprache in Mailand geht allerdings weit zurück. Der hl. Karl Borromäus, Erzbischof von Mailand (1538-1584) hat eigens einen Priester an den Dom berufen, der der deutschen Sprache mächtig war. Er sollte "Anlaufstelle" und Beichtvater sein für Pilger, Reisende und Handwerksburschen.

Achille Ratti, der Leiter der Ambrosianischen Bibliothek in Mailand und spätere Papst Pius XI., hat sich in den Jahren 1886-1914 in besonderer Weise der deutschsprachigen Katholiken angenommen. Um die Jahrhundertwende hielt er jeden Sonntag einen Gottesdienst mit deutscher Predigt in der Kirche San Sepolcro. Bereits seit 1886 bestand eine Schule für die Kinder der deutschen Arbeiterfamilien. Als nun am 27. Juni 1909 eine neugebaute Schule in der Via Savona 37 ihre Tore öffnete, dachten auch die Katholiken an den Bau einer Gemeindeniederlassung mit einer Kapelle in der Via Panizza. Am 20. November 1912 feierte man dort den ersten Gottesdienst. Über 50 Jahre war dann dort das geistliche Zentrum für die deutschsprachigen Katholiken in Mailand, und es hat beide Weltkriege überdauert. Doch aus Raumgründen dachte man an eine Erweiterung und fand in einem Neubau in der Via Rosellini eine gute Lösung.

Die Pfarrgemeinde St. Michael in Mailand zählt heute ca. 1100 Gläubige. Ein grosser Teil davon sind Familien, die nur vorübergehend, meist aus beruflichen Gründen, in Mailand verweilen.

Für die nur kurzzeitig Anwesenden ist es eine Hilfe, in ihrer Muttersprache am Gottesdienst aktiv teilnehmen zu können. Daneben gibt es auch Deutsche, die schon in der 3. oder 4. Generation in Italien leben, sprachlich natürlich voll integriert sind und trotzdem sich im deutschen Gottesdienst "zu Hause" fühlen.

An Sonn- und Feiertagen um 18.30 Uhr (ausser in den Schulferien - bitte Programm beachten!) steht uns die Kirche San Bartolomeo zur Verfügung. Es ist ein sehr schöner Neorenaissance-Bau in der Via Moscova 6, keine 15 Gehminuten von der Deutschen Schule und nur 1-2 Minuten von der U-Bahn-Haltestelle Turati (M3) entfernt. Für diejenigen, die mit dem Auto kommen möchten, gibt es ein paar Parkplätze direkt vor der Kirche in der Via Moscova, sonst gleich ums Eck in der via Manin. Die Kirche befindet sich in der „area C", die allerdings am Wochenende nicht aktiv ist und man muss nichts zahlen, um sie zu erreichen.

Ein tatkräftiger Pfarrgemeinderat unterstützt den Pfarrer. 

Ein Frauenkreis trifft sich jeden ersten Dienstag des Monats. Diese Gruppe nimmt sich besonders sozialer Fälle an und bereitet die verschiedenen geselligen Veranstaltungen vor. Eine Bibelrunde trifft sich mit dem Pfarrer zur Schriftenlesung und Auslegung des Gotteswortes.

Gern besucht werden Diavorträge, die sich auf religiöse Themen oder auf Reiseerlebnisse beziehen. Als sehr verbindend haben sich Pilgerfahrten in den letzten Jahren gezeigt.

Die Verbundenheit dieser Auslandsgemeinde mit dem deutschsprachigen Episkopat kommt besonders dadurch zum Ausdruck, dass oft deutschsprachige Bischöfe zur Firmung der Jugendlichen nach Mailand anreisen. Die Verbundenheit mit der Ortskirche zeigte sich 1993 gleich zweimal durch den Pastoralbesuch des Generalvikars Bischof Giovanni Giudici und der Firmung durch Kardinal Carlo Maria Martini.

Auch im zukünftigen politisch und wirtschaftlich noch stärker vereinten Europa wird diese deutsche Auslandsgemeinde nicht an Bedeutung verlieren. Durch die freie Wahl des Arbeitsplatzes werden noch mehr Arbeitskräfte aus deutschsprachigen Ländern mit ihren Familien in die Industrie- und Wirtschaftsmetropole Norditaliens kommen. Auch diese neuen "europäischen" Zuwanderer werden bei der Pfarrei St. Michael in Mailand herzliche Aufnahme finden.